Perspektiven für Straßenkinder und junge Obdachlose in Deutschland Jetzt spenden
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Neue Streetwork-Station in Frankfurt am Main eröffnet

Haben die neue Streetwork-Station in Frankfurt eröffnet: Dr. Rüdiger Grube (Vorsitzender des Kuratoriums der Off Road Kids Stiftung, rechts), Dvora Leguy (Leiterin der Frankfurter Streetwork-Station), Dr. Jörg Rockenhäuser (Permira, 2. v. links) und Off Road Kids Vorstandssprecher Markus Seidel (links). Foto: Mario Hausmann

Die Off Road Kids Stiftung hat eine neue Streetwork-Station für Straßenkinder und junge Obdachlose direkt an der Konstablerwache in der Frankfurter Innenstadt eröffnet. Der Bedarf im Rhein-Main-Gebiet ist groß.

Die Off Road Kids Stiftung hat einen Steinwurf von der Frankfurter Shopping-Meile "Zeil" entfernt in der Großen Friedberger Straße eine neue Streetwork-Station für Straßenkinder, junge Obdachlose und „Sofahopper“ eröffnet. „Sofahopper“ sind verzweifelte junge Menschen, die sich bei mehr oder weniger guten Bekannten gewissermaßen auf dem Sofa durchschlagen. Sie haben längst keinen Kontakt mehr zu Eltern, Schule, Ämtern und Ausbildung und stehen kurz davor, obdachlos zu werden. Das deutsche Jugendinstitut spricht von mindestens 37.000 „entkoppelten“ jungen Menschen in Deutschland. Die Off Road Kids Stiftung, die seit 25 Jahren bundesweit jungen Obdachlosen bei der Suche nach neuen Lebensperspektiven hilft, hat über ihre Online-Hilfe „sofahopper.de“ festgestellt, dass es im Rhein-Main-Gebiet einen überdurchschnittlich hohen Beratungsbedarf gibt. Deshalb eröffnet die vor allem spendenfinanzierte Stiftung nach Berlin, Dortmund, Hamburg und Köln jetzt auch eine Streetwork-Station im Herzen Frankfurts.

„Wir wollen dort vertreten sein, wo die meisten jungen Menschen unsere Hilfe brauchen“, begründet Stiftungsvorstand Markus Seidel die Standortwahl: „Je frühzeitiger wir helfen können, desto besser sind die Chancen auf eine dauerhaft tragfähige Zukunftsperspektive.“ Den Standort nahe der Konstablerwache habe die Stiftung bewusst gewählt, so Dvora Leguy, die Leiterin der neuen Streetwork-Station: „Das Bahnhofsviertel wäre der falsche Ort für unser Beratungsangebot, denn wir wollen junge Menschen, die noch gar nicht richtig obdachlos sind, keinesfalls dorthin locken.“

„Dank der Unterstützung von langjährigen Förderern wie der Beteiligungsfirma Permira und der BAHN-BKK konnten wir die neue Streetwork-Station realisieren“, betont Vorstandssprecher Markus Seidel bei der feierlichen Eröffnung der Streetwork-Station. Während Permira den Aufbau und Betrieb der Station unterstützt, addiert die BAHN-BKK ein Gesundheitsvorsorge-Programm für junge Obdachlose. Auch die Frankfurter Bürger helfen bereits mit: Der Lions-Club Frankfurt Palmengarten übereichte zur Eröffnung den Erlös des diesjährigen Weihnachtskalenderverkaufs. Zu den namhaften Förderern zählen zudem die Vodafone Stiftung Deutschland, die die Deutsche Bahn Stiftung, die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die Aktion „Deutschland rundet auf“.

Rüdiger Grube, Schirmherr und Kuratoriumsvorsitzender der Off Road Kids Stiftung berichtet begeistert von den bisherigen Erfolgen: „Unsere Streetworker haben inzwischen mehr als 5000 junge Menschen in die Gesellschaft zurückgeholt“. Die Hilfe für Menschen, die weniger Glück hatten im Leben als er, sei für ihn eine Lebensaufgabe geworden. „Da kann ich etwas von dem zurückgeben, was ich von der Gesellschaft bekommen habe“, so Grube zu seinem Engagement.

„Hinter dieser Zahl verbergen sich schwere Schicksalsschläge“, berichtet Dvora Leguy, die seit zehn Jahren für Off Road Kids als Streetworkerin tätig ist – zuletzt in Dortmund: „Besonders schwierig ist es, wenn junge Menschen aus ländlichen Gebieten kommen und in der Anonymität von Großstädten untertauchen. Der tägliche Überlebenskampf beherrscht den Alltag der jungen Menschen auf der Straße. Deswegen ist es enorm wichtig, schnell zu handeln und die jungen Menschen vor dem endgültigen Absturz zu erreichen.“ Das Besondere an Off Road Kids ist: Die Streetworker arbeiten überregional, begleiten junge Menschen bei Bedarf bundesweit zu Behörden, Einrichtungen und Familien und klären zudem über milieuspezifische Gesundheitsrisiken auf.

„Unsere Erfahrungen in anderen Städten und die Zahlen, die wir über unsere virtuelle Beratungsstelle „sofahopper.de“ ermittelt haben, belegen den Bedarf für Frankfurt am Main. Die Stadt ist zudem für viele Straßenkinder und junge Obdachlose eine Zwischenstation auf dem Weg vom Süden Deutschlands nach Berlin, Hamburg oder Köln“, erläutert Off Road Kids Stiftungsvorstand Markus Seidel. In der Streetwork-Station selbst sieht es nach Büroatmosphäre aus. Es gibt keine Essensausgabe, keine Couch zum Abhängen und auch keine Kleiderkammer. „Das ist unser Prinzip, erklärt Dvora Leguy: „Wenn ein junger Mensch wirklich etwas an seiner Situation ändern will, dann bieten wir ihm unsere Hilfe an und begleiten ihn auf diesem Weg. Unsere Hilfe besteht allerdings nicht aus Kleidung und Essen, sondern wir suchen gemeinsam mit den jungen Menschen nach einer tragfähigen und nachhaltigen Lebensperspektive. Dafür brauchen wir Telefon, Schreibtisch, Internet und vor allem viel Zeit für die Beratung.“

Zu den Arbeitszielen gehörten beispielsweise ein Schulabschluss, die Suche nach einer dauerhaften Unterkunft oder einer Ausbildungsstelle. Oft aber stünden am Anfang Behördengänge und Anträge. Die Arbeit der Frankfurter Streetwork-Station wird weit über Frankfurt hinausgehen und von Hanau bis Darmstadt, Wiesbaden und Mainz reichen.