Perspektiven für Straßenkinder und junge Obdachlose in Deutschland Jetzt spenden
Perspektiven für Straßenkinder und junge Obdachlose in Deutschland Jetzt spenden

Ab Herbst neue Streetwork-Station in Frankfurt am Main

Dvora Leguy wird die neue Streetwork-Station in Frankfurt leiten.

Die Off Road Kids Stiftung eröffnet ab Herbst eine neue Streetwork-Station für Straßenkinder und junge Obdachlose in der Frankfurter Innenstadt an der Konstablerwache.

In Berlin, Dortmund, Hamburg und Köln haben die Streetworker der Off Road Kids Stiftung in den letzten 25 Jahren mehr als 5000 junge Menschen erfolgreich aus den Obdachlosenmilieus heraushelfen können. Ab Oktober 2018 kommt Frankfurt am Main dazu. Das Besondere daran: Die Streetworker arbeiten überregional, begleiten junge Menschen bei Bedarf bundesweit zu Behörden, Einrichtungen und Familien und klären zudem über milieuspezifische Gesundheitsrisiken auf. Gefördert wird das Vorhaben von der Beteiligungsfirma Permira und der BAHN-BKK.

„Von unseren bisherigen Standorten und über sofahopper.de wissen wir, dass Frankfurt am Main für viele Straßenkinder und junge Obdachlose eine Zwischenstation auf dem Weg vom Süden Deutschlands nach Berlin, Hamburg oder Köln ist“, erläutert Off Road Kids Stiftungsvorstand Markus Seidel einen wesentlichen Grund für die neue Streetwork-Station in Frankfurt. „Wir hoffen, dass wir es wie in Dortmund schaffen werden, viele bereits in Frankfurt von der Weiterreise abzuhalten und gemeinsam nach neuen Lebensperspektiven zu suchen. Unsere Statistik zeigt, dass wir in Dortmund die höchsten Vermittlungszahlen haben und gleichzeitig die Zahlen in Berlin mehr und mehr zurückgehen. Die Wirkung ist deutlich spürbar.“ Durchschnittlich benötigten die Streetworker 75 Arbeitsstunden, um einem jungen Menschen erfolgreich zu helfen.

Viele der jungen Menschen kommen eher aus ländlichen Gebieten in Deutschland und verstecken sich in der Anonymität von Großstädten. Die Suche nach einer besseren Zukunft wird dort aber im täglichen Überlebenskampf schnell begraben. Betteln, Kleindiebstähle oder Prostitution beherrschen den Alltag. Die Abwärtsspirale beschleunigt sich, der Absturz in den Drogensumpf ist nah. „Deswegen ist es enorm wichtig, schnell zu handeln und die jungen Menschen vor dem Absturz zu erreichen“, sagt Markus Seidel.

Mehr als 5.000 junge Obdachlose haben die Streetworker der Off Road Kids Stiftung seit 1993 dauerhaft von der Straße holen können, davon mehr als 500 allein im letzten Jahr. Doch es wird zunehmend schwieriger, die jungen Menschen überhaupt zu entdecken. Viele finden über ihre sozialen Netzwerke immer wieder mehr oder weniger gute Bekannte, auf deren Sofas sie zumindest eine Zeitlang unterkommen können. In den Obdachlosenmilieus tauchen diese Kids zunächst nicht auf. Dennoch leben sie in „verdeckter Obdachlosigkeit“. Rund 200 haben die Streetworker letztes Jahr bundesweit über ihre virtuelle Streetwork-Station „sofahopper.de“ entdeckt und helfen können.

Dvora Leguy, langjährige Streetworkerin bei Off Road Kids in Dortmund, wird die neue Streetwork-Station in Frankfurt leiten. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Heike Hübner bereitet sie seit Februar die Eröffnung in Frankfurt vor: „Wir haben uns die Problemlage in Frankfurt gründlich angesehen und uns mit Kollegen der lokalen Hilfesysteme ausgetauscht. Der Bedarf ist auf jeden Fall da, zumal wir ja auch noch zahlreichen jungen Menschen im Rhein-Main-Gebiet helfen werden, die uns über sofahopper.de finden.“

„Wir werden wie in den anderen Städten überregional arbeiten“, erklärt Heike Hübner das bundesweite Konzept von Off Road Kids: „Bei Bedarf fahren wir mit jungen Menschen in deren eigentliche Heimat, um die beste Zukunftsperspektiven zu suchen und dort festzuklopfen.“ Der Radius der eigentlichen Arbeit wird weit über Frankfurt hinausgehen und von Hanau bis Darmstadt, Wiesbaden und Mainz reichen.

Die neue Streetwork-Station wird nicht im mit Prostitution und Drogenkriminalität belasteten Frankfurter Bahnhofviertel, sondern in der Innenstadt neben der Konstablerwache in der Großen Friedberger Straße eingerichtet. Für die Ortswahl nennt Dvora Leguy gute Gründe: „Wir werden oft mit jungen Menschen zu tun haben, die noch gar nicht völlig auf der Straße sitzen. Die halten wir natürlich möglichst fern von den Problemen im Bahnhofsviertel. Die Konstablerwache ist perfekt erreichbar und unsere Streetwork-Station liegt dort diskret in einem oberen Stockwerk. Wer nicht nach uns sucht, wird uns nicht bemerken.“

Wie immer bei Off Road Kids, wird es auch in der Frankfurter Streetwork-Station keine Essensausgabe oder Kleiderkammer geben. Zuhören, Beratung und die intensive Suche nach der individuell bestmöglichen und vor allem tragfähigsten Zukunftsperspektive haben absolute Präferenz. Dvora Leguy: „In unseren Streetwork-Stationen herrscht Büroatmosphäre und es wird gemeinsam mit jungen Menschen an der Perspektivensuche gearbeitet. Die jungen Menschen nehmen das gut an und fühlen sich ernstgenommen.“

Gefördert wird der Betrieb der neuen Streetwork-Station in Frankfurt primär von den Frankfurter Unternehmen Permira und der BAHN-BKK. Beide sind neben der Deutschen Bahn Stiftung, der Vodafone Stiftung und der Bausparkasse Schwäbisch Hall seit vielen Jahren Förderer der Off Road Kids Stiftung. Die Arbeit der Off Road Kids Stiftung wird vor allem durch Spenden von Stiftungen, Unternehmen und Privatleuten finanziert. Auch die Aktion „Deutschland rundet auf“ hilft mit.

Die Frankfurter Stadtkasse wird durch die neue Einrichtung nicht belastet werden. Ganz im Gegenteil, denn die Off Road Kids Stiftung bringt zudem zwei weitere, erfolgreich erprobte Konzepte mit. Dazu zählen das mit der BAHN-BKK durchgeführte Gesundheits- und Schwangerschaftspräventionsprogramm „STREETWORK+“ und das mit der SKala-Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten entwickelte Bildungs- und Integrationsprogramm „PREJOB“. Damit können junge Menschen ohne Schulabschluss und Ausbildung nicht nur ihr Leben stabilisieren, sondern auch Haupt- und Realschulabschlüsse nachholen und Ausbildungen finden. Die Hälfte der 350 Quadratmeter großen Streetwork-Station ist allein dafür vorgesehen.

Offizieller Start in Frankfurt soll spätestens im Oktober sein. Bis die Räume umgebaut sind und weiteres Fachpersonal eingestellt ist, sind die beiden Streetworkerinnen in Frankfurt nicht untätig. Schon seit Monaten helfen Heike Hübner und Dvora Leguy ersten jungen Menschen aus der Region, die sich über sofahopper.de melden. Die Arbeit am Main hat längst begonnen.