Perspektiven für Straßenkinder und junge Obdachlose in Deutschland Jetzt spenden
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Bildungsstandsanalyse & Flex-Fernschule

Die Kombination der überregionalen Straßensozialarbeit von Off Road Kids mit dem Flex-Fernschulsystem ist die erste bundesweit ausdehnbare soziale, schulische (und berufliche) Integrationsmaßnahme von Straßenkindern in Deutschland, die nicht zur Regelschule gehen können oder eine Überbrückungsphase benötigen. Zudem entsteht eine wirksame Brücke für junge volljährige Obdachlose in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, sofern sie bisher keinen Schulabschluss haben.

Straßenkinder, Ausreißer und junge obdachlose Volljährige in Deutschland sollen möglichst altersgerecht zu einem adäquaten Schulabschluss geführt werden und so – trotz früherer Schulversäumnisse und lückenhafter Lebensläufe – einen aussichtsreichen Zugang zum Ausbildungsmarkt erreichen können. In der Regel finden die Straßensozialarbeiter von Off Road Kids während des Beratungsprozesses eine oder mehrere Lösungen etwa in der Familie oder am Heimatort des jungen Menschen.

Dennoch gibt es Ausgangssituationen wie beispielsweise Schulabbrüche, ein Absturz durch die verschiedenen Schularten oder auch die aufgrund des erreichten Alters erfüllte Schulpflicht, die eine Rückkehr in eine Regelschule unübersichtlich machen oder völlig verhindern. Insbesondere bei Hilfeplanungsgesprächen mit Eltern und Jugendamt ist es daher sehr hilfreich, vorab zu wissen, welchen Bildungsstand ein junger Mensch aktuell hat und welche Schulart und Schulkasse fortan sinnvoll sind.

Diese wichtige Analyse des Bildungsstands ist in den Streetwork-Stationen von Off Road Kids möglich. Die Überregionale Straßensozialarbeit von Off Road Kids ist hierzu bundesweit mit dem Flex-Fernschulsystem des Christophorus-Jugendwerks in Oberrimsingen (Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V., www.flex-fernschule.de) zusammengeführt worden. Die Straßensozialarbeiter von Off Road Kids können so präzise Schulempfehlungen aussprechen und im Einzelfall den Nachweis erbringen, welches Schulniveau individuell passt. Dieses schlagkräftige Präzisionsinstrument ist ein Meilenstein in der Entwicklung von Straßensozialarbeit.

Darüber hinaus ist durch die Integration des Flex-Fernschulsystems nicht nur die Beschulung von Minderjährigen, sondern auch von jungen Volljährigen möglich. Das Flex-Fernschulsystem ist professionell aufgestellt und bietet jungen Menschen bundesweit die Möglichkeit, unabhängig von deren Aufenthaltsort und Bildungsstand konsequent auf einen Haupt- oder Realschulabschluss nach baden-württembergischem Standard hinzuarbeiten. Die bis zum Abschluss benötigte Zeitdauer ist hierbei völlig flexibel. Die Beschulung berücksichtigt den tatsächlichen Wissens- und Bildungsstand des einzelnen jungen Menschen. Die Betreuung erfolgt einerseits telefonisch durch Flex-Fachlehrer, postalisch durch den Versand der Lernmaterialien und vor Ort beim Jugendlichen durch einen persönlichen Lernbetreuer. Die Fernbeschulung kann auch bei betreuungsbedingten Ortswechseln eines Jugendlichen mit folgenden Zielen begonnen und fortgesetzt werden:

  • Exakte Analyse des Bildungsstands nach Schulfächern
  • Überbrückung einer Schulbesuchspause bis zur Wiedereinschulung in eine Regelschule
  • Aufarbeitung von Bildungslücken vor einer Beschulung in einer Regelschule
  • Hauptschulabschluss durch Flex-Fernbeschulung
  • Realschulabschluss durch Flex-Fernbeschulung

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) fördert im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) von November 2014 bis Dezember 2016 die Entwicklung und den Ausbau von Bildungsstandsanalyse und individueller Beschulung für Straßenkinder und minderjährige Ausreißer in den Streetwork-Stationen von Off Road Kids. Durch diese Förderung wird eine elementare Lücke bei der Vermittlung insbesondere minderjähriger, schulpflichtiger Ausreißer und Straßenkinder in Deutschland geschlossen. Die hierfür genehmigte Fördersumme beträgt insgesamt 125.000 Euro und stammt aus dem KJP-Themenbereich „Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik: Jugendsozialarbeit“. Dieses Programm wird zudem gefördert von der Vodafone Stiftung Deutschland, der Alstom AG und von der Verizon Foundation. Zudem gibt es eine weitergehende operative Kooperation mit der Help and Hope Stiftung (Projekt "GidZ - Gemeinsam in die Zukunft").