Historische Entwicklung

Von der Bürgerinitiative zur professionellen Hilfsorganisation

Die Hilfsorganisation Off Road Kids gibt es seit 1993 - zunächst als Verein und heute als Stiftung. Das Ziel ist es seit jeher, die bestmögliche, dauerhafteste Zukunftsperspektive für junge Menschen zu finden, die durch Obdachlosigkeit bedroht sind.

Die Straßenkinderhilfsorganisation Off Road Kids wurde 1993 zunächst von 50 Gründungsmitgliedern als gemeinnütziger Verein in Donaueschingen im Schwarzwald gegründet. Die Initiative zur Gründung ergriff der Journalist Markus Seidel, der zeitgleich das Ullstein-Sachbuch „Straßenkinder in Deutschland – Schicksale, die es nicht geben dürfte“ veröffentlicht hatte. Ein Jahr zuvor war Seidel durch TV-Reportagen auf die Straßenkinder-Thematik in Deutschland aufmerksam geworden und hatte sich gemeinsam mit Freunden dazu entschlossen, aktiv zu werden. Zahlreiche Lions- und Leo-Clubs aus Deutschland halfen beim Aufbau der Hilfsorganisation mit.

Aus der Buchrecherche Seidels entwickelte sich in den folgenden Jahren eine völlig neuartige, Städte übergreifende, bundesweite, überregionale Straßensozialarbeit. Der bundesweite Ansatz ist nach wie vor der konzeptionelle Kern der Straßensozialarbeit von Off Road Kids. Vielfach bildet Off Road Kids die Kommunikationsbrücke zwischen jungen obdachlosen Menschen und deren Familien sowie den zuständigen Behörden und Einrichtungen. Hierbei ist es sekundär, wo sich ein hilfebedürftiger junger Mensch in Deutschland aktuell aufhält.

Schon im Jahr 2000 wurde zusätzlich zum Off Road Kids Verein die auf Langfristigkeit ausgelegte Off Road Kids Stiftung gegründet, die ab 2008 alle operativen Bereiche des Vereins übernommen hat. Der ursprüngliche Verein wurde anschließend aufgelöst. Unter dem Dach der Stiftung wurden die gemeinnützigen Tochtergesellschaften „Off Road Kids Jugendhilfe gGmbH“ und „Institut für Pädagogikmanagement gGmbH“ gegründet, um den rein ideellen Bereich mit STREETWORK und SOFAHOPPER.DE von den weiterführenden Tätigkeiten wie PREJOB, STABILIZE und FAMILY-NEUSTART abzugrenzen.

1993: Entwicklung des bundesweiten Streetwork-Systems

Unmittelbar nach der Gründung 1993 begann Off Road Kids damit, Spenden zu sammeln und zunächst auf ehrenamtlicher Basis in deutschen Großstädten Straßensozialarbeit für Straßenkinder und junge Obdachlose anzubieten. Im Fokus: junge Menschen, die nicht aus diesen Großstädten stammten und Hilfe dabei benötigten, den Kontakt in ihre Heimat wieder aufzubauen und zurückzureisen.

1994: Streetworker unbegrenzt mobil und erreichbar

Bereits 1994 wurden die Off Road Kids Streetworker von der damaligen Mannesmann Mobilfunk GmbH (heute Vodafone) mit Mobiltelefonen ausgestattet und erhielten von der damaligen Bundesbahn (heute von der Deutsche Bahn Stiftung) NetzCards für unbegrenzte Bahnfahrten. So war es Streetworkern in Deutschland erstmals direkt von der Straße aus möglich, gemeinsam mit jungen Menschen bundesweit Kontakt zu Familien und Jugendämtern aufzunehmen und dank der Mobilität junge Menschen über weite Entfernungen nach Hause zu begleiten.

1995: Streetwork-Station in Berlin

1995 begann Off Road Kids, die Straßensozialarbeit konsequent zu professionalisieren. Die ersten Streetworker wurden unter Vertrag genommen und zunächst eine Streetwork-Station am Alexanderplatz in Berlin eröffnet. Seit 1998 sind alle Streetworker fest angestellt. Off Road Kids beschäftigt in den Streetwork-Stationen ausnahmslos Fachpersonal mit Hochschulbildung.

1998 folgte eine weitere Streetwork-Station in Hannover, die bis zur Weltausstellung im Jahr 2000 betrieben wurde. Mit Beginn der Weltausstellung verlor Hannover seine bisherige überregionale Anziehungskraft auf junge Obdachlose. Die Hannoveraner Streetwork-Station konnte wieder aufgelöst werden.

2005: Neue Streetwork-Stationen in Dortmund, Hamburg und Köln

Im Jahr 2005 ermöglichte die Vodafone Stiftung Deutschland der Off Road Kids Stiftung die Eröffnung weiterer Streetwork-Stationen. Nach einer umfassenden Bedarfsanalyse fiel die Wahl auf die Städte Dortmund, Hamburg und Köln.

2017: Digitale Streetwork-Station im Internet

2017 erkannten die Streetworker der Off Road Kids Stiftung, dass zahlreiche junge Obdachlose lange Zeiträume vor der tatsächlichen Obdachlosigkeit in einer Art verdeckter Obdachlosigkeit bei wechselnden Freunden und Bekannten gewissermaßen auf fremden Sofas gelebt haben. Diese Erkenntnis und die stark zunehmende Allzeitverfügbarkeit des Internets führten die Off Road Kids Stiftung zu Gründung der ersten digitalen Internet-Streetwork-Station in Deutschland: SOFAHOPPER.DE. Gemeinsam mit der Deutsche Bahn Stiftung und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird dieses bundesweite Beratungsangebot seither ausgebaut.

2017: Schulabschlüsse und berufliche Integration für junge Obdachlose

Zahlreiche entkoppelte junge Menschen haben vor ihrem Absturz auf die Straße einen langen Leidensweg hinter sich. Durchaus häufig fehlt daher ein Schulabschluss für eine Berufsausbildung. Mit Unterstützung durch die SKala-Initiative konnte die Off Road Kids Stiftung 2017 exemplarisch am Streetwork-Standort Dortmund das selbstentwickelte Bildungsprogramm PREJOB eröffnen. PREJOB verbindet sozialpädagogische Begleitung zur Stabilisierung der Lebensumstände mit individueller Einzelbeschulung und professioneller Assistenz bei der Berufswahl. Das Besondere: Die jungen Menschen können jederzeit mit der Beschulung beginnen und werden auf der Basis ihres bereits vorhandenen Bildungsstands auf die Abschlussprüfungen vorbereitet. PREJOB soll künftig auch an anderen Streetwork-Standorten angeboten werden.

2018: Neue Streetwork-Station in Frankfurt am Main

Im Dezember 2018 half der langjährige Off Road Kids Förderer Permira bei der Eröffnung der neben Berlin, Dortmund, Hamburg und Köln nunmehr fünften Streetwork-Station in Frankfurt am Main.

2018: Gesundheitsvorsorge als Teil der Sozialarbeit

Ebenfalls in 2018 integrierte die Off Road Kids Stiftung Hand in Hand mit der BAHN-BKK das Gesundheitsvorsorge- und Präventions-Programm STREETWORK+ in die Straßensozialarbeit.

2019: Umzug in die neue Berliner Streetwork-Station

Gemeinsam mit Deutschlands First Lady Elke Büdenbender und Off Road Kids Schirmherr Dr. Rüdiger Grube eröffnete Bauunternehmer und Off Road Kids Kuratoriumsmitglied Christoph Gröner im Dezember 2019 die neue Streetwork-Station der Off Road Kids Stiftung im Berliner S-Bahnhof Bellevue. Durch seinen riesigen Einsatz hat Christoph Gröner die von der DB Station&Service AG zum symbolischen Mietpreis überlassenen Räumlichkeiten im S-Bahnhof Bellevue in eine ideale, perfekt renovierte Streetwork-Station verwandelt. Damit endete eine rund zweijährige Odyssee glücklich. Denn die ursprüngliche Streetwork-Station am Alexanderplatz war durch verheerende Einbrüche mehrfach zerstört worden und die Streetworker mussten von ungünstig gelegenen Interimsbüros aus agieren.

1996 bis 2021: Kinderheim in Bad Dürrheim

Von 1996 bis 2021 betrieb die Off Road Kids Jugendhilfe gGmbH zudem ein Kinderheim in Bad Dürrheim. Diese betreute Jugendwohngruppe war zunächst für ehemalige Straßenkinder eingerichtet worden. Allerdings gelingt es den Streetworkern der Off Road Kids Stiftung seit einigen Jahren sehr grundsätzlich, minderjährige Straßenkinder wieder in deren ursprünglichem Heimatgebiet unterzubringen. Dies entspricht dem gesetzlichen Leitgedanken, Kinder und Jugendliche mit Hilfe des zuständigen Jugendamts möglichst in ihrer ursprünglichen Heimat bei ihrer Familie oder sozialraumnah in einer Jugendhilfeeinrichtung unterzubringen. Daher bestand seit 2021 kein Bedarf mehr für den Betreib des Kinderheims, weshalb der Betrieb im Sommer 2021 beendet wurde.

In den 25 Jahren Kinderheimbetrieb ist es mit durchschlagendem Erfolg gelungen, nachzuweisen, dass durch den konsequenten Einsatz von Pädagogen mit Hochschulabschluss in der Regel alle betreuten Jugendlichen im Kinderheim eine Realschulabschluss und die Hälfte sogar das Abitur erreichen. Der Bildungsgrad des betreuenden Personals erscheint neben der Betreuung über den 18. Geburtstag hinaus als entscheidend für den schulischen Erfolg von Kindern in Heimen und Jugendwohngruppen.

2008 bis 2018: Bachelor-Studiengang für berufserfahrene Erzieher und Erzieherinnen

Diese Erkenntnis hat die Off Road Kids Stiftung in die berufliche Qualifikation von Erziehern und Erzieherinnen einfließen lassen: Von 2008 bis 2018 ermöglichte die stiftungseigene Institut für Pädagogikmanagement gGmbH mehr als einhundert berufserfahrenen Erzieherinnen auch ohne Abitur ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium. Dieser Studiengang wurde mit Hilfe unseres langjährigen Förderers Permira entwickelt.

2015: Beratung und Therapie für Familien

Aus dem Kinderheimbetrieb ist auch die Systemische Beratungs- und Therapie-Praxis FAMILY-NEUSTART samt ELTERN-HOTLINE hervorgegangen. Beide Angebote gehören heute zum Regelangebot der Off Road Kids Stiftung.

2019: Nach der Nothilfe die Zukunft stabilisieren

2019 ergänzte die Off Road Kids Stiftung ihr Streetwork-Angebot erstmals mit einer professionellen Übergangsbetreuung in stabile Lebenssituationen. Nicht wenigen jungen Menschen fällt nach der Unterbringung in einer eigenen Wohnung gewissermaßen die Decke auf den Kopf und das bereits Erreichte bricht wieder in sich zusammen. Mit STABILIZE entwickelte die Off Road Kids Stiftung mit Unterstützung durch das EHAP-Programm der Europäischen Union zunächst am Standort Köln ein neues Übergangsberatungs- und Begleitungssystem. Die weiterführende Beratung und Begleitung durch STABILIZE schließt unmittelbar an die Straßensozialarbeit an und erhöht die langfristige Wirksamkeit.

2019 bis 2021: Erweiterung zur Digitalen Sozialarbeit

Von 2019 bis Sommer 2021 wurde die Straßensozialarbeit der Off Road Kids Stiftung einer massiven Digitalisierungsoffensive unterzogen. Denn der überregionale Anteil der Hilfeanfragen über SOFAHOPPER.DE überwiegt das lokale Aufkommen auf den Straßen an den Streetwork-Standorten bei weitem und nimmt stetig zu. Dennoch: 40 Prozent der jungen Menschen stammen aus den Ballungsgebieten der Off Road Kids Streetwork-Standorte Berlin, Dortmund (Ruhrgebiet), Frankfurt, Hamburg und Köln und können nach der Kontaktaufnahme über das Internet auch vor Ort beraten werden. Daher richtet sich die Off Road Kids Stiftung ihre Angebote seit 2019 darauf aus, die bundesweite Online-Sozialarbeit mit der analoge Beratungsarbeit in den Streetwork-Stationen wirkungsvoll zu kombinieren.

Während die Off Road Kids Stiftung zunächst mit dem Konzept der überregionalen STREETWORK dafür Sorge trug, dass insbesondere von weither angereiste Straßenkinder und junge Obdachlose aus deutschen Großstädten wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurück vermittelt wurden, hat sich der operative Ansatz seit 2017 verändert. Seither liegt der Fokus heute darauf, möglichst vielen dieser jungen Menschen mithilfe der digitalen Medien erheblich frühzeitiger beratend zur Seite zu stehen und so Lösungen lange vor einer möglichen Flucht in eine Großstadt zu erarbeiten.

2021: Neuer PREJOB-Standort in Köln

Entkoppelte junge Menschen ohne Schulabschluss bekommen jetzt auch in Köln eine gute Chance auf einen Haupt- bzw. Realschulabschluss sowie einen Ausbildungsplatz. Das Jobcenter Köln fördert das PREJOB-Programm mit 30 Plätzen in der Domstadt. Köln ist nach Dortmund der zweite PREJOB-Standort, in dem die Off Road Kids Stiftung dieses hochgradig flexible Betreuungs- und Beschulungsprogramm anbietet.

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