Liebe Freunde und Förderer der Off Road Kids Stiftung,
DER SPIEGEL online vor wenigen Tagen: „Bericht über Armut in Deutschland: Jung, weiblich, wohnungslos.“ Jetzt steht unser Telefon nicht mehr still. Am Mittwoch hat beispielsweise SWR3 -Moderator Volker Janitz nachgefragt, wieso so viele junge Frauen bis 25 Jahre betroffen sind.
Das sind die Fakten:
Armut ist nicht der Grund: Es sind familiäre Zerwürfnisse, die dazu führen, dass junge Menschen ihr Zuhause verlieren. Armut kann das beschleunigen. Arme Leute behandeln ihre Kinder jedoch nicht schlechter als wohlhabende.
Allerdings: Mädchen sind früher als Jungs in der Pubertät und entscheiden sich daher früher, aus unerträglichen, gefährlichen Verhältnissen rauszugehen. Meistens landen sie in verdeckter Obdachlosigkeit bei ihren Social Media-Bekannten auf dem Sofa. Das kann gehörig schiefgehen. Wir hören von jungen Frauen immer wieder, dass von ihnen im Gegenzug für die Übernachtung sexuelle Dienstleistungen gefordert wurden.
Unter den 7.378 jungen Menschen, die unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im letzten Jahr bundesweit beraten haben, waren 3.246 junge Frauen. Das sind 44 Prozent! Viele der jungen Frauen haben in ihren Familien(-resten) Misshandlungen und Missbrauch erlebt. Auf der Straße wird es noch schlimmer. In den Großstädten haben Frauenhäuser Wartelisten und Jugendnotdienste sind hoffnungslos überfüllt. In Berlin hat der Jugendnotdienst das maximale Aufnahmealter von 21 auf unter 18 Jahre abgesenkt.
Die frühe Unterstützung ist entscheidend. Deshalb bietet die Off Road Kids Stiftung die einzige bundesweite Online-Hilfe www.sofahopper.de an. 90 Prozent der jungen Menschen melden sich bei uns online. Wir haben heute fünfmal mehr Zulauf als vor Covid19.
Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Für sofahopper.de braucht die Off Road Kids Stiftung trotz staatlicher Mithilfe durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weiterhin Spenden und möglichst viele Weihnachtsaktionen von Unternehmen! Bitte schon jetzt dran denken!
Das muss getan werden: Aktuell finanziert jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt die eigene Jugendhilfepolitik. Kommunal wird gespart, wo es nur geht. Die Jugendämter brauchen eine bundeseinheitliche finanzielle Ausstattung, damit sie ihren Gesetzesauftrag erfüllen können. Sonst kommt es noch viel schlimmer.
Mit dem „Kinder- und Jugendstärkungsgesetz“ können Jugendämter eigentlich bis 21 Jahre und sogar darüber hinaus bis 28 Jahre helfen. Wir haben das weltbeste Gesetz und zugleich die dümmste Finanzierung dafür. Sind wir dusselig? Das kostet die jungen Menschen ihre Lebensperspektiven und uns alle sehr viel mehr Geld für völlig vermeidbare Sozialhilfefälle. Oder irre ich mich etwa?
Herzlichst
Markus Seidel,
Sprecher des Stiftungsvorstands
Pionierarbeit: Künstliche Intelligenz als digitaler Rettungsanker für junge Obdachlose
Off Road Kids geht den nächsten Schritt in Richtung Digitalisierung und hat jetzt das innovative LICHTBOT-Projekt gestartet. Was ist damit gemeint? Bis Ende 2025 werden wir – gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Partnern wie Amazon Web Services – einen KI-gestützten Chatbot und Sprachassistenten entwickeln, der jungen Menschen in prekären Lebenslagen personalisierte Unterstützung bietet. Dieser digitale "Navigator" wird auf der Sofahopper-Webseite in einfacher Sprache konkrete Informationen liefern, Empfehlungen geben, seine Entscheidungen begründen, die nächsten Schritte skizzieren und bei komplexen Problemlagen die Beratung an die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von Off Road Kids übergeben - und das alles Tag und Nacht in einem freundlichen, verständnisvollen Ton.
Damit ist die Off Road Kids Stiftung wieder einmal in der Rolle des Pioniers. Bereits mit sofahopper.de haben wir gezeigt, wie Streetwork mit Hilfe der Digitalisierung erfolgreich ins Internet verlagert werden kann. Fünfmal mehr junge Menschen erreichen uns seit Corona durch die moderne Online-Hilfe – meist lange bevor sie in Großstädten völlig auf der Straße landen. Der Erfolg motiviert uns, den nächsten Schritt in Richtung Künstliche Intelligenz zu gehen.
Unser Ziel: Wir wollen einfachere Hilfeanfragen automatisiert beantworten und unsere erfahrenen Fachkräfte auf die Lösung komplizierterer Hilferufe konzentrieren. Jetzt heißt es Daumen drücken, und in zwei Jahren wird Künstliche Intelligenz mit unseren Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern Hand in Hand 20.000 Beratungen pro Jahr durchführen.
Deutsche Postcode Lotterie: 250.000 Euro nach Bällebad im Garten des Bundespräsidenten
„Jetzt aber rein mit Ihnen ins Bällebad der Deutschen Postcode Lotterie, lieber Herr Seidel! Das ist gut für Off Road Kids. Rein mit Ihnen!“ Und schwups, hatte mich Thomas Ellerbeck mittenrein ins quietschbunte Bällebad zu Postcode Lotterie DT gGmbH-Geschäftsführerin Friederike Behrends (rechts im Bällebbadfoto oben) manövriert.
Thomas Ellerbeck ist Mitglied des TUI Group Executive Committee, TUI Group Director Corporate & External Affairs, TUI Chief Sustainability Officer, Vorsitzender der TUI Care Foundation und vor allem seit seiner Zeit als damaliger Geschäftsführer bei Vodafone Deutschland und Kuratoriumsvorsitzender der Vodafone Stiftung ein unentwegt engagierter Unterstützer der Off Road Kids Stiftung.
Zum Sprung ins Bällebad kam es genau vor einem Jahr beim Bürgerfest des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue in Berlin. Dorthin hatten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Deutschlands First Lady Elke Büdenbender die Off Road Kids Stiftung eingeladen. Mitten im Schlossgarten durften wir einen Informationsstand aufstellen. Nachmittags kam es dort zu einem folgenreichen Stelldichein (Bild unten) mit Thomas Ellerbeck (rechts), Dr. Margarete Steinhart (in der Bildmitte mit Partner; ehem. Pressesprecherin Vodafone, heute Inhaberin Lichtblickkommunikation und vor allen verantwortlich für die Pressearbeit der Off Road Kids Stiftung) und Off Road Kids-Kuratorin Regina Wiechens-Schwake (2. v. rechts; u.a. ehem. Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Vodafone Deutschland).
Als Thomas Ellerbeck von den krisengebeutelten Spendenrückgängen der Off Road Kids Stiftung erfuhr, zögerte er keine Sekunde, mich ein paar Stände weiter zum Bällebad der Deutschen Postcode Lotterie zu manövrieren und mich dort mit Friederike Behrends bekannt zu machen. Also beherzt rein ins Bällebad und „guten Tag“ sagen!
Dieser Sprung war der Auftakt zur fabelhaften Förderung der Off Road Kids Stiftung durch die Deutsche Postcode Lotterie und ihre vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sagenhafte 250.000 Euro sind diese Woche bei uns eingetroffen. Das sind satte 5 Prozent unseres Jahresetats – eine Riesenhilfe beim Betrieb und Ausbau unserer bundesweiten Online-Hilfe sofahopper.de. Jeden Monat kommen aktuell zwischen 400 und 500 Minderjährige und junge Volljährige zur ohnehin schon hohen Anzahl betreuter junger Menschen hinzu. Unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter haben alle Hände voll zu tun.
Tausend Dank für die Unterstützung an Friederike Behrends und Katja Diemer von der Deutschen Postcode Lotterie (Postcode Lotterie DT gGmbH) sowie an Thomas Ellerbeck für den Schups ins Bällebad und das lustige Foto!
Passgenaue berufliche Entwicklung der jungen Menschen im Fokus
Ein sicheres Dach über dem Kopf ist die erste Voraussetzung für eine dauerhafte Lebensperspektive. Dabei wollen wir aber nicht stehen bleiben, sondern machen uns Gedanken zu einer erheblich besseren beruflichen Entwicklung unserer Klienten. Denn der erstbeste Ausbildungsplatz passt nicht grundsätzlich zu den Talenten und Fähigkeiten eines jungen Menschen. Wir professionalisieren die Unterstützung zur Berufswahl.
Unterstützt werden wir bei diesem Entwicklungsschritt von unserem langjährigen Kuratoriumsmitglied Sven Hantel (rechts im Bild), der viele Jahre Konzernrepräsentant der Deutsche Bahn AG für Baden-Württemberg und anschließend Vorstandsmitglied bei der DB Station und Service AG war. Heute ist er Leadership-Coach & Mentor und Fachbuchautor.
Von Sven Hantel stammt die Idee, unsere Sozialarbeit so zu ergänzen und weiterzuentwickeln, dass wir künftig professionell in der Lage sind, gemeinsam für und mit jungen Menschen individuell passgenauere und aussichtsreiche berufliche Entwicklungswege zu finden. Wir freuen uns über dieses Engagement und arbeiten derzeit in einer Projektgruppe an der Umsetzung.